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Schloss Hof

Über mehr als 50 Hektar erstreckt sich im Osten Niederösterreichs das Areal von Schloss Hof. Das prächtige Ensemble aus hochherrschaftlichem Wohngebäude, kunstvollem Terrassengarten und idyllischem Gutshof wurde in den späten 1720er-Jahren als repräsentativer Land- und Jagdsitz für Prinz Eugen von Savoyen angelegt. Architekt Johann Lucas von Hildebrandt konnte dabei ungehemmt aus dem Vollen schöpfen – schließlich war sein Auftraggeber nicht nur einer der erfolgreichsten Feldherren, sondern auch einer der wohlhabendsten Männer seiner Zeit. Hunderte Arbeiter, Tagelöhner, Handwerker und Gärtner wurden engagiert, um in jahrelangem Dauereinsatz Hildebrandts Pläne zu verwirklichen. Als die Arbeiten um 1730 im Großen und Ganzen abgeschlossen waren, hatte eines der eindrucksvollsten Gesamtkunstwerke des europäischen Barock konkrete Gestalt angenommen.

Im Besitz der Habsburger

Die einzigartige Schönheit von Schloss Hof verfehlte ihre Wirkung auch auf Maria Theresia nicht. 1756 erwarb die Monarchin das Anwesen von den Erben Eugens und machte es ihrem Gemahl zum Geschenk. Der neue Besitzer wusste die noble Gabe auch angemessen zu würdigen. Bis zu seinem Tod 1765 verbrachte Kaiser Franz Stephan jedes Jahr zwischen Frühling und Spätherbst viele Wochen auf Schloss Hof, um auf einsamen Pirschgängen, bei aufwändig inszenierten Festen oder im engen Familienkreis mit Maria Theresia und der großen Kinderschar „die Seele von der Last des Herrschens zu erleichtern“, wie es auf einer Inschrift an der Gartenseite der Schlossfassade heißt. Probleme ergaben sich mitunter allerdings bei der Unterbringung des Hofstaats. Denn selbst bei ganz privaten Aufenthalten auf dem Landsitz mussten nach den strengen Regeln des Wiener Hofzeremoniells fast 200 Bedienstete das Regentenpaar umsorgen. Um diesem Platzmangel Abhilfe zu schaffen, entschloss sich die mittlerweile verwitwete Maria Theresia um 1770, das Gebäude um eine Etage aufstocken zu lassen. Im Zuge dieser Arbeiten stattete der kaiserliche Hofarchitekt Franz Anton Hillebrandt auch die Fassade und die Innenräume dem Zeitgeschmack entsprechend mit reichem klassizistischem Dekor aus. Er gab damit Schloss Hof im Wesentlichen sein heutiges Erscheinungsbild.

Ausbildungsstätte der k.k. Armee

Die nächsten Generationen habsburgischer Kaiser und Erzherzöge zeigten kaum noch Interesse an ihrer Marchfelder Sommerresidenz und überließen sie zunehmend den Einflüssen der Natur. Als Kaiser Franz Joseph die Anlage gegen Ende des 19. Jahrhunderts zur militärischen Ausbildungsstätte umwidmete, verlosch der ohnehin schon schwer ramponierte imperiale Glanz fast ganz. Zusätzlich zu Wind, Wetter und wucherndem Unkraut war das barocke Gesamtkunstwerk nun auch noch der wenig schonenden Behandlung durch die kaiserlichen Soldaten ausgesetzt, die sich samt ihren Rössern hier einquartierten. Immerhin war der Kaiser umsichtig – oder sparsam – genug gewesen, das gesamte Mobiliar vorher abtransportieren zu lassen. 200 Wagen mit Einrichtungs- und Kunstgegenständen rollten damals in die kaiserlichen Depots nach Wien und bildeten in den kommenden zwei Jahrzehnten einen reichen Fundus für die Ausstattung anderer kaiserlicher Schlösser.

Vom Verfall bedroht

Nach dem Ende der Donaumonarchie nützte auch die Republik die kostbaren Bestände zur repräsentativen Ausstattung von Regierungsgebäuden und Botschaften im In- und Ausland. Für Schloss Hof selbst änderten die politischen Umbrüche wenig. Es blieb unter Militärverwaltung, lediglich die Uniformen der Soldaten wechselten. Nach der k.k. Kavallerie zog österreichisches Bundesheer ein, dann die deutsche Wehrmacht und 1945 schließlich Besatzungssoldaten der Rote Armee, die das Schloss für zehn Jahre in Beschlag nahmen. Die weithin erkennbaren Wunden, die Desinteresse, zweckentfremdete Nutzung und nicht zuletzt zwei Weltkriege dem Schloss geschlagen hatten, konnten auch nach 1955 vorerst nur unzureichend geschlossen werden. Zwar fehlte es für eine vollständige Sanierung weder an guten Ideen noch an gutem Willen, wohl aber an finanziellen Mitteln. Alle drei Komponenten fanden erst 2002 zusammen, als eine eigens zu diesem Zweck gegründete Gesellschaft mit der Revitalisierung des kostbaren Kulturerbes beauftragt wurde.

Zu neuem Glanz

Im Mai 2005 waren die Restaurierungsarbeiten so weit abgeschlossen, dass das Ensemble wieder für Besucher geöffnet werden konnte. Österreichs größte Schlossanlage auf dem Lande hatte ihren alten Glanz, ihre ursprüngliche Würde und ihre einstige Bestimmung als Ort prachtvoll inszenierter Feste wieder zurückerhalten. Als authentischer Schauplatz fürstlich barocker Lebensart steht es nunmehr allen Zeitreisenden offen, die die Welt von Prinz Eugen und Kaiserin Maria Theresia erlebnisreich, angenehm unmuseal und in all ihrem faszinierenden Facettenreichtum erkunden wollen.

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